Die Sinne des Hundes


Hunde nehmen ihre Umwelt anders wahr als der Mensch.

Das liegt an ihrer Abstammung vom Wolf, dessen Jagdverhalten und Lebensumstände.
Wölfe jagen hauptsächlich in der Dämmerung und müssen die Fährte eines Beutetieres verfolgen können. Sie erkennen Rudelmitglieder am Geruch. Sie müssen zum Schutz des Rudels leiseste Geräusche wahrnehmen und die Richtung, aus der sie kommen, orten können.

Hören

Das Gehör des Hundes ist höher entwickelt als das des Menschen. Hunde können höhere Frequenzen wahrnehmen.
Mensch: ca. 20 - 20.000 Hz, die maximale Empfindlichkeit liegt zwischen 2.000 und 4.000 Hz
Hund: ca. 15 - 50.000 Hz, die maximale Empfindlichkeit liegt bei 8.000 Hz

Da die Ohrmuscheln des Hundes beweglich sind, lassen sich Geräuschquellen zudem besser dreidimensional orten. Sie sind auch wichtig für die optische Kommunikation, also die Körpersprache, des Hundes.

Eine weitere Stärke ihres Gehörs ist, dass Hunde ihren Gehörsinn, ebenso wie den Geruchssinn, selektiv einsetzen können. Sie filtern auch hier sehr effektiv z.B. während sie schlafen laute Musik aus und hören dennoch wie der Briefträger ans Haus kommt, oder der Futternapf gefüllt wird.

Sehen

Früher wurde angenommen, dass Hunde nur Graustufen, also schwarz-weiß, sehen können. Dies wurde widerlegt und nach heutigen Erkenntnissen ist bekannt, dass Hunde Farben sehen.
Das Farben-sehen von Hunden wurde durch verschiedene Experimente und Verhaltensstudien erforscht. Eine Studie von Neitz, Geist und Jakobs fand, dass Hunde Farben in etwa so sehen wie ein Mensch, der rot-grün-farbenblind ist.

Das Auge des Hundes enthält (wie das aller Säugetiere) zwei verschiedene Lichtrezeptoren: Stäbchen und Zapfen.
  • Die Stäbchen sind für das Sehen von Graustufen zuständig, sind zahlreicher und lichtempfindlicher als die Zapfen und vermitteln Hell-Dunkel-Eindrücke.

  • Die Zapfen dienen dem Sehen bei mittleren bis hellen Lichtverhältnissen und dem Farbensehen.


Sie sind jeweils auf einen bestimmten Spektralbereich spezialisiert.

Beim Menschen sind es 3 unterschiedliche Rezeptoren für die Farben Rot, Grün und Blau, aus deren Farbsignalen das Gehirn den Gesamtfarbeindruck bildet.


Der Hund hat nur 2 unterschiedliche Zapfentypen: einen für Blau-Violett und einen für Grün-Gelb.

Hunde sehen also im wesentlichen den Spektralbereich von Gelb über Grün und Blau, wobei ihnen Objekte, die für uns grün sind, farblos bzw gelb und rote Objekte gelb erscheinen.
Das Farbsehen des Hundes ist in Richtung Ultraviolett verschoben und endet durch den fehlenden Rot-Rezeptor bei Gelb.

Ein roter Ball auf einer grünen Wiese ist für einen Hund ein gelber Ball in gelbem Gras.



Dafür haben Hunde einen sehr ausgeprägten Sinn für Blautöne.
Das Hundeauge ist im Bereich 430 nm – dem Blaubereich – am empfindlichsten, das menschliche Auge im Bereich 550 nm - grün/gelb.
Der Grund dafür liegt in seiner Vergangenheit als Wolf. In der Zeit zwischen Dämmerung und Nacht sowie kurz vor Sonnenaufgang hat das vom Himmel reflektierte Licht wegen der fehlenden Sonneneinstrahlung einen höheren Blauanteil - für einen Jäger, der zu dieser Zeit auf der Pirsch ist und Blautöne gut unterscheiden kann, ist dies ein gewaltiger Vorteil. Umrisse von Beutetieren heben sich gut ab, jede Bewegung wird sofort gesehen.

So können wir es unseren Hunden mitunter leichter machen, wenn wir auf die Besonderheiten ihrer Sehfähigkeit Rücksicht nehmen. Als Hundesportler beispielsweise könnte sich die Zusammenarbeit mit unseren Hunden sogar verbessern, wenn wir blaue Bälle, Dummys, Kontaktzonen, Tunnel usw verwenden.

Die Netzhaut von Hunden weist besonders viele Stäbchen auf (während das menschliche Auge in etwa fünfmal so viele Zapfen enthält). Die geringe Anzahl der Zapfen in der Netzhaut des Hundes lässt darauf schließen, dass sein Auge eher auf Lichtempfindlichkeit als auf Farbensehen spezialisiert ist.

Die Sehschärfe ist geringer als beim Menschen (die Sehschärfe des Menschen ist ca. 6mal besser als die des Hundes) und auf Bewegung optimiert - stillstehende Dinge werden kaum wahrgenommen.

Der Hund kann seinen menschlichen Freund auf Distanz kaum erkennen, wenn sich dieser still verhält, aber kann feinste Bewegungen auf große Distanz noch wahrnehmen. Der Grund liegt darin, dass die Beute des Wolfes optisch selektiert werden muss, da sie sich bewegt. (Dies machen sich Beutetiere zunutze, indem sie reglos verharren, wenn sie Gefahr wittern.)


Die Sehschärfe wird beeinflusst durch die optischen Eigenschaften des Auges (Größe der Pupille, Linse, Hornhaut) und durch die Anordnung der Zapfen und Stäbchen. Für die Sehschärfe sind die Zapfen verantwortlich.
Die Pupillenweite wird durch die Intensität des Lichteinfalls reflektorisch gesteuert. Bei schlechten Lichtverhältnissen ist der Hund dem Menschen überlegen, denn seine Pupille ist größer als die menschliche, was die Sicht bei geringem Licht begünstigt, bei dem die Stäbchen angesprochen werden.
Das Stäbchensystem erreicht jedoch keine gute Sehschärfe.

Bei Hunden (wie bei den meisten anderen Säugetieren, außer dem Menschen) befindet sich an der Rückwand des Auges eine reflektierende Schicht. Diese Schicht (tapetum lucidum) reflektiert einfallendes Licht (darum leuchten Tieraugen im Dunkeln, wenn man sie anstrahlt), so dass es ein weiteres Mal auf die Stäbchen trifft, daher können Hunde auch bei geringer Lichtintensität noch Formen und Bewegungen wahrnehmen und sehen in der Dämmerung sehr viel besser als Menschen, was für sein Überleben als Jäger notwendig ist.

Die horizontale Ausdehnung des Gesichtsfeldes des Hundes beträgt etwa 240 Grad (im Vergleich zu ungefähr 180 Grad beim Menschen), was für die Jagd vorteilhaft ist, da sie Bewegungen erkennen können, die seitlich oder sogar hinter ihnen liegen.

Der Bereich, in dem der Hund dreidimensional sehen kann, also mit beiden Augen, ist mit rund 60° kleiner als der des Menschen (120°). Dieser Bereich ist für die räumliche Tiefenwahrnehmung (Stereosehen) wichtig, worin der Mensch dem Hund überlegen ist.

Riechen

Die Nase des Hundes, ist wesentlich empfindlicher als die des Menschen.
Hunde zählen zu den Nasentieren (Makrosmatikern).

Für Hunde steht der Geruch an erster Stelle seiner Wahrnehmungen und diese Wahrnehmung beeinflusst sein Verhalten maßgeblich.

Zu erkennen ist der ausgeprägtere Geruchssinn schon an der Anzahl der Riechzellen, wobei es zwischen den Hunderassen erhebliche Unterschiede gibt. In etwa kann man sagen: je länger die Hundeschnauze, desto besser das Riechvermögen. So hat der Mensch ca. 5 Millionen Riechzellen, der Dackel 125 Millionen und der Schäferhund 220 Millionen.
Die Riechschleimhaut bei Hunden ist ca. 150 cm groß, die des Menschen dagegen nur ca.10 cm.

Messungen haben ein, im Vergleich zum Menschen, etwa eine Million Mal besseres Riechvermögen ergeben.
Der Hund kann in kurzen Atemzügen bis zu 300 Mal in der Minute atmen, so dass die Riechzellen ständig mit neuen Geruchspartikeln versorgt werden.

Eine wichtige Rolle spielt das Gehirn. Hier werden die eintreffenden Daten verarbeitet und ausgewertet. Da die Nase rechts und links differenzieren kann, können Hunde „Stereo“ riechen. Auf diese Weise ist der Hund fähig, die Richtung einer Spur zu beurteilen und selbst eine alte Spur zu verfolgen.

Das Riechhirn ist im Vergleich zu dem des Menschen riesig, denn es macht allein 10% des Hundehirns aus (im Vergleich: 1% beim Menschen).
Der Mensch nutzt diese besondere Fähigkeit des Hundes, indem er ihn als Spürhund in vielen Bereichen einsetzt.

Hunde „schmecken“ Gerüche auch über das Jacobsonsche Organ (Vomeronasalorgan), das sich im Gaumen befindet. Dieses transportiert die aufgenommene Information sofort an das Limbische System. Es ist für die Entstehung von Gefühlen, das Triebverhalten und für die Bildung von Hormonen verantwortlich.

Schmecken

Hunde besitzen Geschmacksknospen auf den Papillen der Zunge, auf dem Gaumendach und am Eingang des Schlundes.
Insgesamt verfügt der Haushund über 1700 solcher Geschmacksknospen (Mensch 9000).
Um Geschmack wahrnehmen zu können, müssen Moleküle im Speichel gelöst werden, weshalb Hunde über vier Paar Speicheldrüsen verfügen.

Es gibt zwei verschiedene Arten von Speichel:
  • einen eher wässrigen, der für die Gemüsenahrung zuständig ist,

  • und einen eher schleimigen, der Moleküle der Fleischnahrung löst.

Die verschiedenen Regionen der Geschmackswahrnehmung auf der Zunge sind etwas anders angeordnet als beim Menschen.
So reagiert der seitliche Teil der Zunge auf süße, salzige und saure Nahrung, während der hintere Zungenteil auf Bitteres anspricht.
Die Rezeptoren, die fleischige Nahrung anzeigen, sind auf der ganzen Zunge verteilt, kommen jedoch auf dem ersten Drittel gehäuft vor.

Fühlen

Der Tastsinn ist für Hunde sehr wichtig, da sie über Berührungen soziale und emotionale Bindungen mit anderen Hunden und Menschen aufbauen.

Durch Berührungen können Hunde messbar beruhigt werden – der Puls wird langsamer und die Atmung regelmäßiger.
Hunde nehmen Berührungen vor allem über die Haut und mit Hilfe ihrer Schnurrhaare (Vibrissen) wahr.

Sie verfügen über zwei verschiedene Arten von Rezeptoren in der Haut.
  • Zum einen gibt es Rezeptoren für den Oberflächenkontakt, die sich direkt unter der Haut befinden und die Bewegungen der Haare auf die Rezeptoren am Haarfollikel übertragen.

  • Zum anderen existieren Rezeptoren für stärkeren Druck, welche tiefer unter der Haut sitzen. Die Nase und die Lippen des Hundes reagieren besonders stark auf Druck, da dort besonders viele Sinnesnerven enden.

Über die Pfoten können Vibrationen wahrgenommen werden.

Im Gesicht hat der Hund Schnurrhaare, welche starrer als normale Körperhaare sind und zudem tiefer in die Haut reichen. An der Basis der Schnurrhaare befinden sich zahlreiche Tastrezeptoren.
Man nimmt an, dass die Schnurrhaare für den Hund sehr wichtig sind, da 40% des für den Tastsinn verantwortlichen Gehirnabschnittes für das Gesicht zuständig sind.
Die Schnurrhaare dienen dem Hund als Frühwarnsystem, um sich vor einem Zusammenstoß oder Augenverletzungen zu schützen.
Sie sind so sensibel, dass sie einen Gegenstand nicht einmal berühren müssen, um ihn wahrzunehmen – die im Vorbeigehen entstehenden Luftwirbel reichen zur Wahrnehmung aus.

Hunde besitzen ausschließlich Kältesensoren. Eine Ausnahme ist die Nase, in der sich Wärmesensoren befinden.
Diese dienen besonders den Welpen dazu, nach der Geburt zur Mutter zu finden.
Bei der Berührung mit heißen Gegenständen reagieren Hunde mit ihren Schmerzrezeptoren, nicht mit Wärmesensoren.
Hunde können natürlich, wie wir Menschen, Schmerz empfinden. Es ist bewiesen, dass sich Hunde nach Operationen schneller erholen, wenn Schmerzmittel eingesetzt wurden – sie beginnen nach der Operation früher zu fressen und trinken, stehen schneller auf und können früher nach Hause.
Evolutionsbedingt verbergen Hunde Schmerzen jedoch oft, um nicht aus dem Rudel verstoßen zu werden. Indizien für Schmerzen können Winseln, Kläffen, starkes Hecheln, ein schneller Atem, Zittern, Unruhe, Rückzug oder Aggressionen bei Berührung, Lecken/Benagen der schmerzenden Körperteile, schneller Puls, erweiterte Pupillen oder eine erhöhte Körpertemperatur sein.


Quelle: wikipedia, www.barfers.de, www.info-hunde-verstehen.de, www.dogs-magazin.de
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